{"id":108,"date":"2022-08-23T03:17:17","date_gmt":"2022-08-23T03:17:17","guid":{"rendered":"https:\/\/bisnachher.ch\/?p=108"},"modified":"2023-01-30T08:26:42","modified_gmt":"2023-01-30T08:26:42","slug":"2-das-disaster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bisnachher.ch\/?p=108","title":{"rendered":"#2 Das Disaster"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurzum: wir haben a) keinen Camper und b) viel Geld f\u00fcr ein Auto und Ausr\u00fcstung ausgegeben c) unsere alle Kreditkarten sind gesperrt. <br>Aber mal von vorne&#8230;<br><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#171;Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende.&#187; <\/p>\n<cite>Oscar Wilde<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da wir ja schon vor der Abreise keinen Camper fanden suchten wir vor Ort. Wir fragten am Flughafen nach und bei Rebekah, unserer ersten Hosterin des Airbnbs. Sie gab uns den Tipp via Facebook Marketplace zu schauen und suchte uns sogar schon einige M\u00f6glichkeiten raus.<br>Als wir den einen Camper gefunden hatten, diesen auch noch auf einer renommierten Vermietungsseite auch gefunden hatten, schrieben wir den Owner des Campers an. Justin gab so gleich Antwort und hatte nichts dagegen, den Camper uns am Tag darauf zu vermieten. Er kam uns sogar noch breitwillig mit dem Preis um 25 Dollar die Nacht entgegen. <br>Er schickte uns den Vertrag via Mail und Nicole bezahlte die Kaution mit der Kreditkarte. Er schrieb dazu, dass der Vertrag sehr ausf\u00fchrlich sei, da er ein Anwalt sei und was Vertr\u00e4ge betrifft, ein &#8218;genaues Arschloch&#8216; sei.<br>Am Vertrag war nichts besonderes, nur dass er eben acht Seiten umfasste und jeder Punkt sehr ausf\u00fchrlich beschrieben war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir verabredeten uns f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag um 14 Uhr bei ihm zu Hause und richteten unseren Tag danach.<br>Am 19.08.22 standen wir dann \u00fcberp\u00fcnktlich bei ihm vor der Haust\u00fcre. Der Camper vor unserer Nase, was uns m\u00e4chtig imponierte. Denn das riesen Schiff umfasste circa 9 eher schon fast 10 Meter.<br>Justin \u00f6ffnete die T\u00fcre nach zwei Mal klingeln und meinte dann, dass er leider auf morgen verschieben m\u00fcsse, da die Benzinpumpe defekt w\u00e4re. Es w\u00fcrden heute Abend Handwerker kommen und dieses Problem beheben. Wir k\u00f6nnen sonst bis dahin sein Auto benutzen (ein normaler Pickup).<br>Wir lehnten ab und vereinbarten eine erneute \u00dcbergabe am 20.08.22 um 14 Uhr an gleicher Stelle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Nachmittag begaben wir uns dann also nochmals auf die Suche nach einer \u00dcbernachtunsstelle. Booking&#8217;s erster Vorschlag und eine Busfahrt sp\u00e4ter waren wir dann bei Anne, der Hotelbesitzern. Sie erz\u00e4hlte uns, dass eine Nacht regul\u00e4r in der Hochsaison ab 300-500 Dollar kostet und meist alles ausgebucht sei. Auch sie sp\u00fcre den Personalmangel, so f\u00fchre sie aktuell ihre 35 Zimmer mit einer weiteren Hilfe.<br>Sie \u00e4usserte ganz typische Merkmale der Schweiz (Bank, Geld und Arbeit).<br>Die Nacht dort war entspannt, es gab sogar ein elektrisches Heiz\u00f6feli, was Nicole liebte, bis unser Zimmer einer Sauna \u00e4hnelte. <br>Am Abend schrieben wir mit Justin weiter, fragten nach, wann der Camper zuletzt vermietet wurde, wie und wo durch die Mieter gefahren sind und ob wir nochmal was mit dem Preis machen k\u00f6nnten, da wir nun viele Umtriebe hatten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Tag darauf, Gep\u00e4ck ein weiteres Mal komplett gepackt, stiegen wir in den Bus und fuhren zu Justin. Als wir in der Strasse standen, sahen wir auch gleich die Handwerker am Camper werken. Wir fragten sie, ob alles gut sei und der eine Herr gab kurz und b\u00fcndig Antwort, dass nun alles repariert sei und was er alles getan h\u00e4tte. Man verstand ihn schlecht, was aber sicherlich verst\u00e4ndlich war, dass es nicht nur die Benzinpumpe war sondern noch einiges mehr.<br>Justin \u00f6ffnete uns die T\u00fcre und wir standen im typischen Haus des Alaskaner, welches wohl alleine und mal von weiten oben, weit runter st\u00fcrzte in der Gesellschaft. Seine drei Hunde, das Gewehr neben der Haust\u00fcre, die herumliegenden Nachos, die offenen Dosen und ein abgew\u00e4lztes Sofa gaben dem Ganzen seine Einheit.<br>Wir bezahlten den Camper via Kreditkarte, nahmen diesen ab und fuhren los zum Walmart. Endlich hatten wir unser lang ersehnte Camper.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei genauerem Hinschauen merkten wir schnell, dass wir f\u00fcr unser Wohlbefinden eine gr\u00fcndliche Reinigung vornehmen m\u00fcssen. Also besorgten wir Desinfektionst\u00fccher, Allzweck- und Glasreiniger sowie jegliche Ausstattungsdinge f\u00fcr einen gr\u00fcndlichen Grossputz.<br>Gegen 17 Uhr sassen wir im Camper Richtung Fairbank. Oh mein Gott, wir hatten es geschafft. Oder eben auch nicht&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Keine zwanzig Meilen fragte mich Marco, wie lange es dauert, bis die n\u00e4chste Ausfahrt kommt. Ich bemerkte wohl auch, dass der Camper immer langsamer wurde, keine Steigung mehr schaffte und auch sonst laut war und ruckelte. Wir verliessen den Highway und versuchten zu drehen. Und dann begann die grosse Zitterpartie. Ausserhalb des Highway gibt es nur eine Strasse zur\u00fcck nach Anchorage und genau diese war heute gesperrt. Also zur\u00fcck auf den Highway wobei wir schon bei der Hinfahrt die Polizei sichteten. So ruckelten wir mit maximalen 30MPH (= circa 45km\/h) zur\u00fcck nach Anchorage auf der Autobahn. Wir waren eine klare Verkehrsbehinderung, was haben wir uns gesch\u00e4mt aber viel mehr gefiebert, dass wir einfach zur\u00fcck kommen und der Camper nicht einfach stehen bleibt mitten auf dem Highway. Der Camper machte durchgehend klar, dass es seine letzten Meter sind. Mit letzter M\u00fch und Not konnten wir den Camper auf ein Parkplatz eines Diner&#8217;s welches noch mehr ausserhalb Anchorages lag wie innerhalb. Dort angekommen fragten wir bei einer jungen Serviceangestellten, ob wir ihr Telefon nutzen k\u00f6nnten um Justin zu kontaktieren. (Dieser versicherte uns noch bei der \u00dcbergabe, dass wir jederzeit anrufen k\u00f6nnen, falls etwas w\u00e4re oder wir ihm schreiben sollen.)<br>Justins Handy war aus und die Combox von uns vollgequatscht. Bei Facebook schrieben wir ihm und warteten insgesamt eine Stunde, tranken mal eine Cola und wurden von der Dame bemitleidet. Immer wieder kam sie und fragte nach, ob sie uns helfen k\u00f6nne. Als ihr Handy dann keinen Akku mehr hatte, der Hotspot dementsprechend auch aus war und Marco nochmals den Camper versuchte zu starten, wagten wir uns weiter Richtung Justins Haus zu machen. Mehr als vor seinem Haus auf ihn zu warten konnten wir auch nicht tun. Denn im Vertrag stand ganz klar, dass wir den Camper nicht alleine stehen lassen d\u00fcrfen.<br>Schon die erste Rotampel (und Gott hat es in Anchorage viele davon) fand der Camper alles andere als lustig, jeder H\u00fcgel lies uns die Luft anhalten und einfach nur beten. Welche, die unsere Oman-Gebirgs-Story kennen, etwa so war es, nur vielleicht noch etwas schlimmer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir waren einfach nur erleichtert, als wir gegen 19:30 Uhr bei Justin vor dem Haus standen. Wir klingelten, Justin \u00f6ffnete die T\u00fcre und sah sehr verschlafen aus. Wir erz\u00e4hlten ihm, dass der Camper defekt sei und wir so nicht mit ihm fahren k\u00f6nnen. Ohne Probleme nahm er den Camper zur\u00fcck und veranlasste einen R\u00fccktransfer des Geldes von der Kaution und der Miete.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So standen wir dann vor Justins Haus, wortw\u00f6rtlich im Regen, luden unser gesamtes Gep\u00e4ck vom Camper in das bestellte Taxi und liessen uns zum Flughafen fahren.<br>Der Taxifahrer fragte uns ungl\u00e4ubig, was wir mit Kisten Bier, vielen vollen Walmarts\u00e4cken und unserem gesamten restlichen Gep\u00e4ck beim Flughafen wollen. Wir erkl\u00e4rten, m\u00f6glichst ohne unseren Frust zu offenbaren, dass die Situation nun so ist, wie sie ist. Die ganze Umladerei kostete uns ganze 20 Minuten und in Anbetracht dessen, dass die Wartezeiten von Taxis bekanntlich am teuersten sind, dachte ich schon mal an das entstehende riesen Loch im Portemonnaie. <br>An der Autovermietung des Flughafens angekommen winkte der Taxifahrer ab und meinte nur trocken, dass wir sonst schon einen &#8218;bad day&#8216; gehabt h\u00e4tten und wir das Geld stecken lassen sollten.<br>Wir luden unser Gep\u00e4ck in ein Bush\u00e4uschen und suchten im Internet nach Mietautos. Die Preise ein Wucher und gar nicht dem, wie wir sie einmal davor gesichtet hatten. Als wir dann auch s\u00e4mtliche Autovermietungsstellen vor Ort durchgefragt hatten, entschieden wir uns f\u00fcr einen SUV.<br>Via Kreditkarte bezahlt, machten wir uns auf in die Garage und standen vor dem n\u00e4chsten Fragezeichen. Warum hat unser Auto keine Nummer? &#8211; Wir sahen bereits viele, die nur vorne oder nur hinten eine Nummer hatten, aber gar keine, geht das? Also wieder zur\u00fcck, nachfragen und der netten Dame (die uns \u00fcbrigens erkannte vom Donnerstag und unserer Frage nach einem Camper) auch nochmals die Story erz\u00e4hlen. Sie war erneut so bem\u00fcht und ehrlich herzlich.<br>Sie beruhigte uns (Nummer hing an der Windschutzscheibe) und lies uns unsere gef\u00fchlt hundert Taschen einladen. Sie bot sogar an zu helfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So fuhren wir um 22 Uhr erneut zum Walmart und holten eine Luftmatratze und Schlafs\u00e4cke. Wir wollten unbedingt raus aus Anchorage. Die schlechten Gef\u00fchle hingen in der Luft und der Frust war riesig. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Palmer angekommen stellten wir unser Auto in der N\u00e4he eines Skateparks ab und pumpten die Luftmatratze auf. Wir schliefen noch sofort ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am n\u00e4chsten Morgen dann folgten die SMS&#8217;en. Erst bei Marco, dass die Kreditkartenfirma Fragen zu den Transaktionen h\u00e4tte und dann bei Nicole, dass sie beide Karten sperren bis sie sich meldet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Manno-Meter, es h\u00e4tte echt nicht sein sollen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/192.168.178.135\/wp-content\/uploads\/WhatsApp-Image-2022-08-23-at-04.09.47-1-1024x768.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-137\" srcset=\"https:\/\/bisnachher.ch\/wp-content\/uploads\/WhatsApp-Image-2022-08-23-at-04.09.47-1-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/bisnachher.ch\/wp-content\/uploads\/WhatsApp-Image-2022-08-23-at-04.09.47-1-300x225.jpeg 300w, https:\/\/bisnachher.ch\/wp-content\/uploads\/WhatsApp-Image-2022-08-23-at-04.09.47-1-768x576.jpeg 768w, https:\/\/bisnachher.ch\/wp-content\/uploads\/WhatsApp-Image-2022-08-23-at-04.09.47-1-1536x1152.jpeg 1536w, https:\/\/bisnachher.ch\/wp-content\/uploads\/WhatsApp-Image-2022-08-23-at-04.09.47-1.jpeg 2016w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurzum: wir haben a) keinen Camper und b) viel Geld f\u00fcr ein Auto und Ausr\u00fcstung ausgegeben c) unsere alle Kreditkarten sind gesperrt.<br \/>\nAber mal von vorne&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[7,14],"tags":[23,25,26,15],"class_list":["post-108","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-reisen","category-tagebuch","tag-auto","tag-camper","tag-disaster","tag-reisen"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bisnachher.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/108","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bisnachher.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bisnachher.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bisnachher.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bisnachher.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=108"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/bisnachher.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/108\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1892,"href":"https:\/\/bisnachher.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/108\/revisions\/1892"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bisnachher.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=108"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bisnachher.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=108"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bisnachher.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=108"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}